Seelsorgeregion Oberaargau

Wenn es still wird - Seelsorge, die nach Hause kommt

Jeder Mensch erlebt sie: die Momente, in denen das Leben aus den Fugen gerät. Wenn Krankheit, Abschied und die eigene Endlichkeit plötzlich Raum einnehmen, reicht medizinische Pflege allein oft nicht aus. Im Oberaargau schliesst ein neues Pilotprojekt eine entscheidende Lücke – damit niemand mit seinen existenziellen Fragen allein gelassen wird.
Stellen Sie sich vor, die Hektik des Spitals liegt hinter Ihnen. Man ist wieder «daheim», in den eigenen vier Wänden. Doch mit der Ruhe kommen die Fragen. Angehörige pflegen mit Hingabe, stossen aber an ihre Grenzen – nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Wer hört zu, wenn die Angst vor dem Abschied gross wird? Wer hält die Stille aus, wenn die Worte fehlen?

Ein Brückenschlag für die Region

Bisher war die Seelsorge oft an Institutionen, wie Spitäler oder Heime gebunden. Doch das Leben – und das Sterben – findet immer häufiger zu Hause statt. Hier setzt die 2026 gegründete «Seelsorgeregion Oberaargau» an. Unter der Leitung der Spitalseelsorgerin Doris Moser ist ein engagiertes Team entstanden: Ein ökumenisches Quintett aus reformierten Pfarrpersonen und katholischer Seelsorge arbeitet Hand in Hand, um Menschen dort zu erreichen, wo sie sind.
Das Projekt versteht sich als Scharnier und bietet eine entscheidende Neuerung für die Spitex: „Seelsorge ist ein fester Teil der Gesundheitsversorgung – auch ausserhalb des Spitals.“

Entlastung für Pflegende und Angehörige

Für die Mitarbeitenden der Spitex war es oft unklar, wen sie bei seelsorglichen Nöten rufen konnten. Jetzt gibt es Profis, die für Fallbesprechungen bereitstehen und überkonfessionell begleiten – gerne werden auch Kontakte zu Gemeindepfarrerinnen/Gemeindepfarrern oder anderen Religionsgemeinschaften vermittelt.
Besonders wertvoll: Das Angebot ist für Kundinnen, Kunden und deren Angehörige kostenlos. Finanziert wird diese wichtige Stelle gemeinsam durch die reformierte und die katholische Landeskirche sowie das Spital SRO.

Begleitung über den Verlust hinaus

Das Besondere an der Seelsorgeregion ist ihre Beständigkeit. Wenn eine Pflegesituation neu organisiert wird, herrscht oft Betriebsamkeit. Doch was passiert, wenn sich der Alltag eingespielt hat? Oder wenn ein geliebter Mensch gegangen ist und es im Haus plötzlich still wird?
Die Seelsorgenden sind da, wenn Sie es wünschen, auch wenn die medizinische Notwendigkeit endet. Sie begleiten Sie – als Anker in der Trauer und als Wegbegleiter in eine neue Zeit. Denn am Ende geht es um mehr als Pflege: Es geht um die Würde und das Getragensein in jeder Lebenslage.

Das reformierte Gemeindepfarramt-Quartett besteht aus Doris Moser, Spitalseelsorgerin und Leiterin der Seelsorgeregion (hinten, rechts), Cornelia Fluri (Langenthal, hinten, Mitte), Durs Locher (Ursenbach, hinten), Daniela Pfeil (Aarwangen, vorne, links) und Judith Meyer (Huttwil, vorne, Mitte). Der katholische Pastoralraum Oberaargau ist mit Vikar Jaimson Mathew (vorne) vertreten.

Text von: Eva Opitz, Sachbearbeitung Kommunikation, Kirchgemeinde Herzogenbuchsee

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